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Minister Hauk besucht Biosphärengebiet Schwäbische Alb

August 19, 2008 · redaktion · Kein Kommentar

Minister Peter Hauk: „Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist mehr als ein Naturerlebnis”

Stuttgart.”Die Kulturlandschaft von Baden-Württemberg ist seit Jahrhunderten von Menschenhand geprägt. Dies gilt für die typischen Buchenwälder der Schwäbischen Alb ebenso wie für das Lautertal mit seinen Wacholderheiden. Abgesehen von der Kernzone ist der Grundsatz ’schützen durch nützen’ gerade im Biosphärengebiet eben keine leere Floskel, sondern die alles tragende Grundidee. Natürlich steht der Schutz der Kulturlandschaft mit seltenen Tieren und Pflanzen bei der Arbeit des Biosphärengebietes ganz oben – aber eben auf eine andere Weise, als dies vielfach gedacht wird”, sagte der baden-württembergische Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk MdL, am Dienstag (19. August) auf einer fast dreistündigen Wanderung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Landkreis Reutlingen).

Stationen der Wanderung spiegeln Leben im Biosphärengebiet wieder

Bei der Wanderung rund um den Schachen bei Buttenhausen wurde beispielhaft aufgezeigt wie artenreich und vielfältig die Landschaft im Biosphärengebiet angelegt ist. So führte der Weg von Buttenhausen hinauf auf den Fladhof . Dieser bietet nicht nur Angebote für Wanderreiter, sondern ist auch Teilnehmer an der ‘Alb-Hof-Tour’ – einem von PLENUM Schwäbische Alb geförderten Tourismusprojekt. Der Fladhof steht damit stellvertretend für den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Kulturlandschaft. “Mit dem zusätzlichen Standbein ‘Tourismus’ ist gewährleistet, dass die Familie, die den Fladhof bewirtschaftet, auch weiterhin ein Stück zum Erhalt der Kulturlandschaft auf der Schwäbischen Alb beitragen kann”, erklärte Hauk . Der Betrieb umfasst neben 50 Milchkühen, die in einem Außenklimastall gehalten werden auch einen Mastschweinestall mit 300 Plätzen. 25 Prozent der gesamten Ackerfläche sind in der Regel für den Anbau von ‘Albkorn’- Getreide bestimmt.

Dieses Korn spielt gerade in der Regionalvermarktung im Biosphärengebiet eine große Rolle. Die Albkorn GbRmbH besteht seit 1995 und ist ein Zusammenschluss von 33 landwirtschaftlichen Betrieben, neun Bäckereien und einer Mühle. Die Landwirte erzeugen das Albkorn-Getreide in integrierter, durchgehend kontrollierter Produktion und halten Zusatzmaßnahmen ein, die den Naturschutz auf dem Acker fördern. Dazu gehört die Anlage von Blühstreifen am Ackerrand und häufig auch eine Besäumung des Ackers mit Heckenbiotopen. Das Getreide wird von der Getreidemühle Luz verarbeitet und an die Albkorn-Bäcker geliefert. Die Bäcker haben sich verpflichtet, ausschließlich Albkorn-Mehl für ihre Backwaren zu verwenden. Die Äcker und Bäckereien der Beteiligten liegen größtenteils im zukünftigen Biosphärengebiet.

“Für die Menschen im Biosphärengebiet eröffnet sich eine einmalige Gelegenheit, heimische Produkte naturnah zu produzieren und zu verkaufen. Für Besucher und Verbraucher besteht der besondere Reiz darin, diese Produkte auf den Feldern zu sehen, die Ernte und Verarbeitung zu erleben und das Endprodukt auf dem Teller zu genießen”, erklärte Hauk .

Weitere Themen während der Wanderung waren der Zusammenhang zwischen Schäferei und Wacholderheiden, der Dinkelanbau, der historische Dolomitsteinabbau im Biosphärengebiet sowie das Thema Biogas.

„Hier im Biosphärengebiet Schwäbische Alb werden die Wege zum Erhalt der Natur gemeinsam mit den wirtschaftenden Menschen über dauerhaften naturverträglichen Nutzungsformen der Landschaft gesucht. Gerade dies ist der überzeugende, innovative Ansatz der Schutzgebietskategorie Biosphärengebiet, der mittelfristig zu einem neuen Verständnis, aber auch zu mehr Verantwortung für unsere Natur führen wird”, betonte Minister Hauk. Die im nächsten Jahr anstehende Anerkennung durch die UNESCO würde diesen Weg unterstützen.

Blick in die Zukunft:

Wege in den Kernzonen:
Spätestens bis zur Anerkennung des Gebiets durch die UNESCO müssen nach den Vorgaben der Biosphärengebietsverordnung die in den Kernzonen weiter nutzbaren Wege ausgewiesen werden. Gemeinsam mit dem Schwäbischen Albverein als ‚Betreiber’ des größten, auch überregionalen Wegenetzes, wurden bislang die aus dieser Sicht weiter erforderlichen Wegeverbindungen abgestimmt. Es ist vorgesehen, mit den daraus resultierenden Ergebnissen im Herbst die Anhörung der Kommunen und Verbände durchzuführen, so dass bis Ende des Jahres eine verbindliche Wegeregelung für die Kernzonen erlassen werden kann.

Netzwerk Informationszentren und Hauptinformationszentrum:
Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb wird – gefördert durch die Landesstiftung Baden-Württemberg – ein Besucher- und Informationszentrum im Alten Lager Münsingen einrichten. Derzeit erfolgen die Feinplanungen für den Um- und Ausbau der zwei vorgesehenen Gebäude durch ein Münsinger Architektenbüro. Ein so genanntes Nachhaltigkeitspaket wird realisiert. Der Baubeginn ist voraussichtlich Mitte November 2008.

Förderverfahren zur nachhaltigen Regionalentwicklung:
Bereits im Jahr 2008 wurden für das Biosphärengebiet Schwäbische Alb zwei Förderverfahren durchgeführt. Für das Förderprogramm PLENUM, das – ausgehend vom Landkreis Reutlingen – auf das gesamte Biosphärengebiet ausgedehnt wurde, stehen in 2008 Fördermittel in Höhe von 230.000 Euro zur Verfügung. Das Förderprogramm des Biosphärengebiets umfasst Projektmittel in Höhe von 200.000 Euro. Insgesamt wurden bisher Investitionen in Höhe von rund 850.000 Euro angestoßen.

Aufbau des „Bildungsforums Nachhaltigkeit“:
Das Projekt wird gefördert durch die Landesstiftung Baden-Württemberg.
Das „Bildungsforum Nachhaltigkeit“ soll ein Dach aller Bildungspartner (Schulen, VHS’en , Umweltbildungseinrichtungen, Kirchen, selbständige Umweltbildungsanbieter etc.) in der Region werden, unter dem die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ( BNE ) umgesetzt werden soll.

Wissenschaftliche Koordination und Monitoring :
Forschung und Umweltbeobachtung sind wesentliche Teilziele das MAB-Programms der UNESCO und weisen das Biosphärengebiet Schwäbische Alb als besonderes Untersuchungsgebiet für innovative Forschungsansätze aus. Da das Biosphärengebiet keine eigene umsetzungsorientierte Forschung betreibt und finanziert, ist es umso wichtiger, Forschungsvorhaben in der Region zu koordinieren, damit sie den Zielen der Modellregion dienen. Durch den Aufbau und die Pflege von Kontakten und den direkten Austausch mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen soll die Region als attraktiver Forschungsraum etabliert, gleichzeitig aber auch auf eine Konzentration der für die Region wichtigen Forschungsfragen hingewirkt werden. Darüber hinaus soll in Anlehnung an und in Abstimmung mit anderen Biosphärenreservaten in Deutschland die Basis für eine ökosystemare Umweltbeobachtung in der Region gelegt werden.

Das Projekt wird gefördert durch die Landesstiftung Baden-Württemberg.

Konzeption Besucherlenkung:
Für das Biosphärengebiet wird in den kommenden zwei Jahren eine Konzeption zur personellen Besucherlenkung erarbeitet. Ziel des durch die Landesstiftung Baden-Württemberg geförderten Projektes ist es, Wege aufzuzeigen, durch Multiplikatoren Inhalte und Ziele des Biosphärengebiets zu vermitteln. In einem ersten Schritt werden die bereits vorhandenen Natur- und Landschaftsführer modellhaft zu Biosphärengebietsinhalten ausgebildet und strukturell gebündelt.
Parallel dazu soll die Konzeption Möglichkeiten aufzeigen, wie der Schutz der Gebietskulisse sinnvoll gewährleistet werden kann.

Rahmenkonzept:
Mit der Erarbeitung des Rahmenkonzepts zu den Zielen und Maßnahmen des Biosphärengebiets unter Beteiligung der Bevölkerung soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Es ist vorgesehen, zunächst die wesentlichen Daten und Fakten des Raumes sowie bestehende Aktivitäten zu sammeln und im Hinblick auf vorhandene Stärken und Schwächen zu analysieren.

UNESCO-Anerkennung:
Der Antrag auf Anerkennung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb wurde am 11. März 2008 von allen Verantwortlichen unterzeichnet und auf den Weg nach Paris gebracht. Da die nächste Sitzung des internationalen UNESCO-Gremiums auf Februar 2009 verschoben worden ist, muss die Region so lange auf eine Entscheidung warten. Die positiven Signale des nationalen MAB-Komitees , das den Antrag unterstützt und weitergeleitet hat, lassen jedoch die berechtigte Erwartung auf eine positive Entscheidung zu.

Zusatzinformation:
Gesamtfläche: 85.269 Hektar
davon Kernzone (3,1, %) 2.645 Hektar
Pflegezone (41,5 %) 35.410 Hektar
Entwicklungszone (55,4 %) 47.214 Hektar

Von der Gesamtfläche unterliegen rund 50.000 Hektar einem flächenbezogenen Schutzstatus (Naturschutzgebiet ( NSG ) und Landschaftsschutzgebiet (LSG), FFH- und Vogelschutzgebiet ( SPA ).

NSG in der Kernzone 309,59 Hektar
NSG in der Pflegezone 2.668,48 Hektar
LSG in der Kernzone 1.125,45 Hektar
LSG in der Pflegezone 19.367,28 Hektar
FFH in der Kernzone 2.100,32 Hektar
FFH in der Pflegezone 20.052,18 Hektar
SPA in der Kernzone 2.081,30 Hektar
SPA in der Pflegezone 23.344,45 Hektar
Quelle: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum

Weitere Infos im Internet
Biosphärengebiet Schwäbische Alb

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